Zum zweiten Mal ziehe ich nach Deutschland. Das erste Mal wohnte ich drei Jahre in Berlin, jetzt bin ich ein Niederländer in Unterfranken („Unterfranken, nicht Bayern!“). Wie beim ersten Deutschlandaufenthalt habe ich manche Gewohnheiten aus meiner Heimat mitgenommen, sowie zum Beispiel das Pendeln zur Arbeit auf meinem Fahrrad („Fiets„). Mir ist dabei erneut etwas aufgefallen: Radfahren in Deutschland ist eigenartig, hier und da sogar etwas abenteuerlich!

Ab und zu stehe ich als Radfahrer vor merkwürdigen, ja manchmal absurden Verkehrs-Situationen, an denen oft die fehlende Radfahr-Infrastruktur Schuld ist. Komisch eigentlich in einem Land, das für seine Ordnungs- und Gründlichkeitskultur bekannt ist. In diesem Blog berichte ich deshalb über tagtägliche Radfahr-Erfahrungen und -Infrastruktur, und betrachte diese aus meiner niederländischen Perspektive.

Meinen ersten Eindruck bekommt ihr hier schon: Eigentlich gibt es hier kaum eine wirkliche Fahrrad-Infrastruktur. Oft sind die Radwege improvisiert auf einen Gehsteig gemalt, oder -schlimmer noch- sind es Gehsteige mit einem Schild „Fahrräder frei“. Und wenn man sich eine Straße mit Autofahrern teilen muss, kann man eine Radweg-Markierung meistens gleich ganz vergessen. Zudem muss man auf einer durchschnittlichen Strecke durch die Stadt regelmäßig zwischen Straße und Gehsteig wechseln.

Nur selten gibt es eine klare physische und farbliche Abtrennung des Radweges. Ich habe nach 6 Monaten in Würzburg noch kein einziges nur-Radweg-Schild gesehen. Eine solche Verkehrspolitik fördert seltsames Verhalten von RadfahrerInnen und führt natürlich oft zu Spannungen mit Fußgängern und Autofahrern.

Es wird Zeit für mehr Radfahrerzonen!

4 Gedanken auf \"Radfahren in Deutschland ist eigenartig\"

  1. Zitat:
    „Ich habe nach 6 Monaten in Würzburg noch kein einziges nur-Radweg-Schild gesehen.“

    Mittlerweile hast du bestimmt schon selber welche gefunden, aber falls nicht:
    Fahr mal vom Haugerring in den Berliner Ring ein. Da der Radverkehr hier unmittelbar an die Fahrbahn „in den Kreisverkehr“ hineingeführt wird, verwandelt sich der „getrennte Rad- und Fußweg“ in einen Radweg, der in den KReisel führt und einen Fußweg, der daran vorbei und über die Fußgängerquerungen führt.
    Und dieser Radweg ist auch ganz korrekt mit dem gesuchten Zeichen gekennzeichnet: blauer Kreis, weißes Fahrrad.

    Ob an dem Radfahrstreifen sonst noch etwas korrekt ist weiß ich nicht. Bin im Moment auch verwirrt darüber, ob es sich um einen Radfahrstreifen handelt. Der ist im Kreisverkehr eigentlich nicht zulässig… (siehe Randnummer 10: http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_26012001_S3236420014.htm )

    1. Hi Daniel,

      Tatsächlich habe ich inzwischen welche gefunden. In meinem Beitrag zum Berliner Ring habe ich sogar eins fotografiert 🙂 http://www.radfahrerzone.de/2015/10/12/berliner-ring-der-kreisverkehr-ist-gar-kein-kreis/

      Was der Streifen im Berliner Ring angeht: ich glaube, dass der Streifen ein Schutzstreifen ist und kein Radfahrstreifen. Schutzstreifen haben eine unterbrochene Linie, wo Radfahrstreifen eine durchgezogene Linie haben. Das scheint dann also schon zulässig zu sein. Im oben verlinkten Artikel findest du noch ein paar andere Lösungen, die ich aus meiner Sicht für den Berliner Ring vorgeschlagen habe.

      1. Hallo, auch,
        Schutzstreifen ist im Kreisverkehr auch nicht zulässig… vielleicht ist es ein falsch markierter Radfahrstreifen… Die blauen Schilder passen auch nur dazu…
        Die Lösung ist wahrscheinlich, dass es was ist, dass es eigentlich gar nicht gibt in verkehrsrechtlichem Sinn ☺
        LG Daniel

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