Auch Radfahrer möchten ab und zu mal etwas Kulturelles unternehmen. In Würzburg gibt es eine Ecke, in der sich einiges an Kultur konzentriert. An der Veitshöchheimer Straße liegen ein Kino, ein Museum, ein Theater, ein Tanztheater und auch noch drei Klubs! Wow, tolles Angebot! Aber wie komme ich dahin?

Mit dem Auto natürlich! Das geht ganz locker auf einer der 4 bis 6 Spuren. Zudem gibt es 2 große Parkplätze und 2 Tankstellen. Mit dem Bus wäre ich auch gut versorgt. Am Kulturspeicher halten 7 Buslinien! Zu Fuß vom Bahnhof kann ich die Kultur-Ecke ebenfalls prima erreichen.

Aber warte mal, es gibt da doch noch so einen anderes Transportmittel… Ach ja, das Fahrrad! Schauen wir mal wie das sich so fährt!

Radfahrer teilen den Gehsteig mit den Fußgängern

Sowohl an der Kreuzung mit dem Röntgenring als auch an der Kreuzung mit der Brücke der deutschen Einheit gibt es Schilder und Ampeln mit einem Fahrrad drauf. Ich darf also rein UND raus, was in Würzburg nicht immer selbstverständlich ist. Die Schilder und Ampeln sind aber etwas merkwürdig: es sind zusätzlich Fußgänger abgebildet. Ich kannte diese Art von Schildern oder Ampeln zuvor wirklich noch nicht, aber anscheinend bedeuten die, dass ich verpflichtet werde einen Gehsteig (oder Radweg… was ist es denn jetzt?) mit Fußgängern zu teilen.

Diese Verkehrsschilder und so eine Ampel habe ich in den Niederlanden noch nie gesehen.

Jedes Mal wenn ich sowas sehe frage ich mich:

Warum soll ich denn zusammen mit den Fußgängern auf dem Gehsteig fahren? Das macht doch kein Sinn? Damit nerve ich nur die nette Fußgänger!

Ok, gut, ich fahre den geteilten Gehsteig-Radweg entlang. So ganz konsequent ist das ganze aber nicht aufgebaut: Es gibt große Unterschiede zwischen der östlichen und der westlichen Seite.

Die östliche Straßenseite: Gut gemeint, schlecht ausgeführt

Auf der östlichen Seite muß ich zwischen den Fußgängern manövrieren. Da die Fußgänger in beiden Richtungen laufen und kein Radweg eingezeichnet ist, muß ich immer vorsichtig fahren. Das nervt, aber wenn ich es nicht mache, nerve ich natürlich die Fußgänger. Ich mache mir lieber keine Feinde, die eventuell gleich neben mir ins Kino sitzen könnten und bremse, während die Autos an mir vorbeirasen.

Kurz vor der Shell-Tankstelle entdecke ich plötzlich dieses Schild:

Ein geheimnisvolles und verwirrendes Verkehrsschild
Ein geheimnisvolles und verwirrendes Verkehrsschild

Fahrräder sind also plötzlich auch erlaubt auf der Fahrbahn, obwohl es einen verpflichteten geteilten Gehsteig-Radweg gibt? Häh?

Beim Überqueren der Seitenstraßen sehe ich aber etwas Tolles: Rote Radweg-Markierungen! Jippie! Hier sehen die Autofahrer aus den Seitenstraßen ganz klar, dass hier ein Radweg läuft. Es wird dabei aber etwas komplex für die Fußgänger: Die roten Spuren sind exklusiv für Fahrradfahrer, also eigentlich dürfen die Fußgänger dort nicht überqueren und müßten sie ausweichen :s

Sichere rote Markierungen auf der östlichen Straßenseite!

Auch wenn der Weg das Ziel ist, möchte man trotzdem ans Ziel ankommen. Wenn ich vom Röntgenring komme, und auf der östlichen Seite fahren muß, sehe ich keine Überquerung direkt gegenüber der Kultur-Ecke. Ich habe also drei Möglichkeiten:

  • Einen Umweg über die Ampel am Zauberberg/Ibis Hotel und ein bisschen zurückfahren
  • Die Straßenseite bei der Kreuzung am Ring (oder an der Kreuzung mit der Rotkreutzstraße) wechseln und ein kleines Stück illegal auf der westlichen Seite fahren
  • Die Straßenseite wechseln und einen weiteren Umwege fahren: Parkplatz überqueren, rechts abbiegen und am riesigen WVV-Heizkraftwerk-Raumfahrtschiff vorbeifahren.

Das Gesamtkunstwerk der östlichen Seite der Veitshöchheimer Straße ist also sehr wechselhaft: Gehsteig-Radweg, rot marierter Überquerungsradweg, Fahrradfahren auf der Straße, Gehsteig-Radweg, rot markierter Überquerungsradweg, Gehsteig-Radweg, rot markierter Überquerungsradweg… + 2 Umwege und ein halb-illegaler Schleichweg um an der Kultur-Ecke anzukommen.

Die westliche Straßenseite: Etwas besser, aber nicht gut genug

Die westliche Straßenseite, an der die meiste Kultur zu finden ist, wurde etwas besser ausgestattet. Wieder muß ich den Gehsteig-Radweg mit Fußgängern teilen, aber direkt vorm Kino sehe ich einen schwarzen Asphaltstreifen, der vermutlich der Radweg ist (linkes Bild). Der Unterschied zwischen Radweg und Gehsteig ist hier nicht wirklich klar, weil der Großteil der Gehsteige der Veitshöchheimer Straße aus dem gleichen (und gleichfarbigen) Asphalt besteht, aber die Stadt hat sich hier deutlich Mühe gegeben. Leider wird der Gehsteig auf halber Strecke zu eng für einen getrennten Radweg (mittleres & rechtes Bild) und mische ich mich wieder gemütlich unter die Fußgänger.

Die westliche Seite der Veitshöchheimer Straße ist teilweise etwas besser ausgestattet.

Die Barrikaden (linkes Bild) tragen zur Sicherheit der Fahrradfahrer bei, aber es ich habe noch einen anderen Grund entdeckt warum es die gibt. Schau mal was passierte, als ich 3 Minuten angehalten habe um Fotos zu machen:

Diese Autofahrer parken hier, weil der Radweg aussieht wie ein Parkplatz.

Ein Highlight der westlichen Seite der Veitshöchheimer Straße ist der überdachte Fahrrad-Parkplatz. Meiner Meinung nach der schönste, den ich bis jetzt in Würzburg gesehen habe. Passt sehr gut zur Kultur-Ecke!

Fahrrad-Parkplatz am Kulturspeicher | Radfahrerzone.de
Prima Fahrrad-Parkplatz am Kulturspeicher

Eine Fahrradfreundliche Lösung für die Veitshöchheimer Straße.

Trotz der vorher erwähnten Mühe hat die Stadt Würzburg hier eine halbbackene, improvisierte Fahrrad-Infrastruktur gebaut. Die Veitshöchheimer Straße ist ein wichtiger kultureller Ort und einer der Hauptverbindungswege der Stadt. Sie sollte deshalb gut mit dem Fahrrad befahrbar sein. Diese Straße braucht wirklich ein Make-Over!

So würde ich die Veitshöchheimer Straße umgestalten:

Mögliche Fahrradfreundliche Lösung für die Veitshöchheimer Straße | Radfahrerzone.de
Eine mögliche fahrradfreundliche Lösung für die Veitshöchheimer Straße (Obenansicht mit Ampelpositionen)
Mögliche Fahrradfreundliche Lösung für die Veitshöchheimer Straße | Radfahrerzone.de
Die gleiche Lösung in der 3D-Ansicht ohne Ampeln (Zugegeben: ich könnte meine Bildbearbeitungs-Skills noch etwas verbessern 🙂 )

Eine Autospur einfach verschwinden lassen, das ist aber radikal! Nein, das ist es nicht. Es gibt viele Städte, die den Stadtverkehr stadteinwärts begrenzen, vor allem Städte die Radverkehr wichtig finden und fördern möchten (sowie die Stadt Würzburg!). Man kann aber stadtauswärts schon 2 Spuren benutzen, damit der Autoverkehr schnell wegkommen kann.

Was haltet ihr von dieser Idee für die Veitshöchheimer Straße?

Bild-Quellen: Google Maps

4 Gedanken auf \"So könnte die Veitshöchheimer Straße auch aussehen\"

  1. Das Schild mit dem Pfeil und dem darunter angebrachten „Radfahrer frei“ bei der Shell-Tankstelle bedeutet leider nicht, dass man dort auf der Straße Fahren darf, sondern dass dieses Pfeil-Schild nicht für Radfahrer gilt. In diesem Fall dürfen sie nach rechts in die Einbahnstraße einbiegen, was Autos nicht gestattet ist.

    1. Hi Henry, Vielen Danke für den Hinweis! Ich verstehe, was Sie meinen und das macht Sinn. Trotzdem ist es etwas verwirrend, weil dasselbe Unterschild ständig benutzt wird auf Fußwege, auf die man dann fahren darf. Am Besten wäre natürlich einen klaren separaten Radweg 🙂

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