In der letzten Zeit fallen mir immer öfter Orte auf, an denen die Radverkehrsführung sehr improvisiert aussieht. RadfahrerInnen müssen an solchen Stellen z.B. regelmäßig zwischen verschiedenen Arten von Radwegen wechseln, obwohl es genug Platz für eine ordentliche und einheitliche Lösung gäbe. Solche Fälle speichere ich ab jetzt ab unter der Kategorie: „Ungenutztes Radwegpotenzial„. Heute ist der Stadtring Nord (Nordtangente) dran.

Regelmäßig fahre ich zwischen der Rotkreuzstraße und Grombühl hin und her. Ich könnte dafür am Bahnhof und am Berliner Ring vorbeifahren, aber es ist für mich kürzer den Stadtring Nord (Nordtangente) zu nehmen. So einen Stadtring ist ja schließlich dafür da, eine schnelle Verbindung zwischen verschiedenen Vierteln zu bieten! 🙂 Zudem gehört die Route zu den Winter-Radverkehrsrouten der Stadt Würzburg, also scheint sie der Stadt wichtig genug zu sein, u.a. zum Streuen.

Winter-Radverkehrsrouten der Stadt Würzburg (Auszug)
Auszug aus dem Flyer der Winter-Radverkehrsrouten der Stadt Würzburg. Die Strecke ist grün umrandet.

Radfahren auf dem Stadtring Nord ist unterschiedlich in jeder Richtung

Dass diese Route ziemlich improvisiert ist merkt man vor allem an der uneinheitlichen Führung. Der Hinweg nach Grombühl fährt sich komplett anders als der Rückweg.

Von der Rotkreuzstraße nach Grombühl fahre ich erstmal auf dem Zubringer den Stadtring hoch. Dort gibt es genug Platz für mich und ein Auto. Soweit alles im grünen Bereich! Nur wenn ich fast oben bin, ist es sehr unklar wo ich fahren muß. Die Autofahrer fahren mit (oft mehr als) 50 km/h an mir vorbei und ich muß versuchen, während ich hochfahre mich auf den Stadtring einzufädeln. Das ist nicht so einfach. Vor allem natürlich wegen der unterschiedlichen Geschwindigkeit. Viele Radfahrer fahren hier deswegen regelwidrig auf dem Gehsteig, aber eigentlich sollte es hier eine klare Radverkehrsführung geben. Wenn ich einmal auf der rechten Spur des Stadtrings fahre, haben die Autofahrer mich aber gut im Blick. Sie können mich einfach auf der Nebenspur überholen. Eine klare Radverkehrsführung, wie z.B. ein Radweg, Radstreifen oder Schutzstreifen, wäre hier sehr willkommen. Es würde die Situation sowohl für Rad- als AutofahrerInnen sehr viel deutlicher und sicherer machen.

Hinweg: Die Strecke zwischen der Rotkreuzstraße und Grombühl über den Stadtring Nord

Auf dem Rückweg fährt es sich etwas einfacher, aber hier muß ich den teilweise sehr engen Platz auf einem gemeinsamen Geh- und Radweg mit den Fußgängern teilen. Wenn ich am Weingut am Stein vorbeifahre, geht es auf dem schmalen geteilten Geh- und Radweg schnell herunter. An der Ausfahrt zur Rotkreuzstraße erscheint auf halber Strecke nach unten dann wie aus dem Nichts einen Radstreifen. Hier ist das also plötzlich möglich? Und das obwohl sowohl die Fahrbahn als auch der Gehweg keinen Zentimeter breiter oder schmaler wird. Hä?

Rückweg: Die Strecke zwischen Grombühl und der Rotkreuzstraße über den Stadtring Nord

Die uneinheitliche und wechselnde Radverkehrsführung in beiden Richtungen zeigt die Improvisation der deutschen Radinfrastruktur. Auf dem Stadtring Nord gibt es auf jeden Fall einiges an ungenutztem Radwegpotenzial! 🙂

Eine Spur weniger stadtauswärts durch Baustelle

Aufmerksame LeserInnen haben es schon gesehen: es gibt eine Baustelle auf der Rimparer Straße, die teilweise eine komplette Spur blockiert. Bis vor kurzem war die blockierte Strecke sogar noch länger. Die Baustelle gibt es seit Frühling 2015 und ist noch mindestens bis Frühjahr 2016 da.

Stadtring Nord | Radfahrerzone.de
Die Baustelle am Stadtring Nord während der Morgen-Rush-Hour.

Ich fahre regelmäßig zur Abend-Rush-Hour mit dem Rad über den Stadtring Nord und mir ist aufgefallen, dass diese eine Spur weniger stadtauswärts für den Autoverkehr eigentlich gar nicht so problematisch ist. Die Bilder habe ich aber in der Morgen-Rush-Hour gemacht. Auch dort ist deutlich zu erkennen, dass eine Spur stadtauswärts eigentlich genügt. Auch deshalb sehe ich hier viel ungenutztes Radwegpotenzial!

Eine Lösung für den Stadtring Nord (Nordtangente)

Ob mit oder ohne diese extra Spur, der Stadtring Nord (Nordtangente) könnte sowieso eine bessere und einheitliche Radwegführung gebrauchen. In den Niederlanden würde es bei so eine Hauptstraße mit 50 Km/h einen deutlich getrennten Radweg geben. Dafür müsste man aber einfach ein oder zwei Autospuren wegnehmen. Das könnte ungefähr so aussehen:

Eine Lösung für den Stadtring Nord | Radfahrerzone.de
Eine mögliche, fahrradgerechte Lösung für den Stadtring Nord im niederländischen Stil.

Ich weiß aber wie „realistisch“ so eine Lösung im Moment in Würzburg ist. Eine Mindestmaßnahme wäre meiner Meinung nach die Nutzung von Schutzstreifen in beiden Richtungen. Das macht die Strecke für Radfahrer sowohl attraktiver als auch sicherer und die Fußgänger bekämen ihren Platz zurück. Schutzstreifen nehmen letztendlich auch kaum Platz weg für Autofahrer, da diese auch darauf fahren dürfen wenn kein Radfahrer in Sicht ist. Jedenfalls würde eine bessere Radverkehrsführung auf dem Stadtring Nord Grombühl wesentlich besser mit der Äusseren Pleich und der Dürrbachau verbinden!

2 Gedanken auf \"Ungenutztes Radwegpotenzial: Stadtring Nord (Nordtangente)\"

  1. Die Lösung für den Stadtring Nord wäre so perfekt. Sollte den Stadträten vorgelegt werden!!! Es wird Zeit, dass in Würzburg etwas getan wird. Funktioniert doch auch in anderen Städten; warum nur nicht in Würzburg.

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