Vor kurzem war ich mal wieder in meiner Heimat um meine Familie zu besuchen. Seit dem letzten Mal, das ich dort war, haben sich einige „Radinfra-Trends“ deutlich durchgesetzt, wie z.B. Radschnellwege, Viadukte für den Radverkehr & Megagroße Schulausflug-Lastenräder 🙂 . Mit „durchgesetzt“ meine ich übrigens: die sind in der Provinz angekommen (und nicht nur im hippen Fahrrad-Mekka Amsterdam) 😉 Hier eine kurze Übersicht der Radinfra-Trends, die mir während meines Aufenthalts aufgefallen sind:

Radschnellweg F59

Über Radschnellwege wird in Deutschland auch immer öfter diskutiert und nachgedacht. Die RS1 wird sogar schon gebaut und einige andere Regionen sind in der Konzeptphase. In den Niederlanden gibt es das Phänomen Radschnellweg (auf niederländisch entweder „snelfietsroute“ oder „fietssnelweg“) schon seit längerer Zeit. Radschnellwege sind deshalb so erfolgreich, weil dadurch tatsächlich mehr Menschen auf das Fahrrad steigen statt im Auto (Stau!) zu sitzen. Aber so richtig flächendeckend werden die Radschnellwege erst in den letzten Jahren eingesetzt. Ich vermute, dass das auch stark mit dem E-Bike zusammenhängt, weil E-Bikes den durchschnittlichen Pendelabstand vergrößern.

Radschnellweg F59
Radschnellweg F59

Seit kurzem gibt es auch einen Radschnellweg in meinem Heimatdorf: die F59. Der F steht dabei für „Fietssnelweg“. Die Nummer 59 kommt daher, dass der Radschnellweg parallel zur Autobahn A59 läuft. Die F59 folgt hauptsächlich den Bahngleisen zwischen Den Bosch und Oss, und macht hier und da einen Abstecher auf einen vorher existierenden Radweg. Fast überall, wo die F59 eine Straße kreuzt hat der Radverkehr Vorrang. Nur an wenigen Stellen haben Autofahrer Vorfahrt oder gibt es eine Ampel. Zudem gibt es einige neue Brücken die Straßenüberquerungen überflüssig machen. So konnte ich z.B. von Rosmalen nach Den Bosch fahren (etwa 6,5km, vergleichbar mit Rottendorf – Würzburg) und musste ich nur 2 Mal halten. Das hat die Strecke (die ich früher sehr oft gefahren bin) um etwa ein Drittel schneller gemacht.


Auf der F59 haben Radfahrer an den meisten Übergängen deutlich Vorrang

Fahrrad-Viadukt über einen großen Kreisverkehr

In meinem Beitrag über den Berliner Ring habe ich vom Hovenring in Eindhoven als Lösung geschwärmt. Ich dachte, das ist ja ein einmaliges wundervolles Bauprojekt, ein Traum und wahrscheinlich nicht so realistisch für Würzburg. Aber jetzt habe ich gesehen, dass immer mehr von solchen Viadukten gebaut werden. Auch solche Lösungen sind nicht mehr einmalig, sondern werden regelmäßig geplant und umgesetzt.

Großartiges Radweg-Viadukt zwischen Rosmalen und Den Bosch

Dieses Radweg-Viadukt führt RadfahrerInnen in drei Richtungen über einen (ziemlich komplexen) Kreisverkehr mit vier Ausgängen. Es gibt hier relativ viel Pendelverkehr (Autos und Fahrräder). Wegen einem Neubauviertel wurde die frühere Kreuzung neu gebaut. Die Brücke vereinfacht es Radfahrern vom Dorf in die Stadt zu fahren und umgekehrt. Mark Wagenbuur vom Bicycle Dutch Blog hat im letzten Jahr diesen Neubau ausführlich analysiert (auf Englisch). Seiner Meinung nach sind die 3,70 m eigentlich gerade zu schmal für die vielen Radpendler auf der Brücke. Er hätte lieber 4,0 m gehabt. In Deutschland würde man das eher als Luxusproblem bezeichnen 😉

Durchschnittliche Dorfstraßen

Was mir auch aufgefallen ist, sind neu angelegte Hauptstraßen in Dörfern (Achtung: ein Dorf kann in den Niederlanden über 20.000 Einwohner haben).

Vorher sah eine durchschnittliche Hauptstraße im Dorf so aus:

Früher kein Radweg
Früher sah die Straße so aus

Inzwischen sieht eine durchschnittliche neu angelegte Dorfstraße so aus:

Jetzt hat die Straße Schutzstreifen
Jetzt hat die Straße rote, breite Schutzstreifen

Die beide Schutzstreifen aus rotem Asphalt sorgen dafür, dass Autofahrer etwas weniger Platz haben und deshalb langsamer fahren – auch wenn keine Radfahrer da sind. Eigentlich haben Autos nicht weniger Platz, weil sie auf den Streifen fahren dürfen. Das Design führt aber dazu, dass die meisten Autofahrer trotzdem in der Mitte fahren und bei Rad- oder Gegenverkehr eben langsamer fahren.

Schulausflug: 10 Kinder und eine Lehrerin auf einem Lastenrad

Das witzigste, das ich bei meinem letzten Heimatbesuch gesehen habe ist ein Megagroßes E-Lastenrad mit einer Lehrerin und 10 Kindern, dass für Kita-Ausflüge benutzt wird. 10 Kinder? Ja wirklich:

Lastenrad mit 10 Kinder und eine Lehrerin
Die Lehrerin hat 8 Kinder im Lastenrad und dann noch 2 hinter ihr auf ausgebauten Sitzen

Auch Lastenräder sind also nicht mehr nur bei hippen Eltern in Großstädten zu sehen, sondern auch im Dorf-Kita-Alltag angekommen. Hier das Rad von etwas näher betrachtet:

Lastenrad für 10 Kinder und eine Fahrerin
Hier das Lastenrad von etwas näher fotografiert. Die Kinder sind jetzt beim Ausflugsziel angekommen 🙂

Sowas geht also wenn man eine tolle Fahrradinfrastruktur geschaffen hat!

2 Gedanken auf \"Radschnellwege, Viadukte & megagroße Schulausflug-Lastenräder\"

  1. Kleine Korrektur: „Wegen einem Neubauviertel wurde die frühere Kreuzung neu gebaut“ – es war nicht wegen einem Neubauviertel, aber wegen einem neuem Kanal.

    1. Stimmt, obwohl ich denke, dass die Zunahme im Verkehr mit dem Neubauviertel zu tun hat. Der Anlass für das Viadukt war dann auf jeden Fall den Kanal.

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