Was? Ein Award nach 1 Jahr Radfahrerzone? Naja, so ungefähr 😉

1 Jahr Radfahrerzone

Eigentlich hatte ich vor einen Artikel zu 1 Jahr Radfahrerzone (mein erster Blogbeitrag datiert vom 7.9.2015) zu schreiben und ein bisschen zu reflektieren. Was gab es alles im letzten Jahr? Was hat es mir so gebracht? Was habe ich noch vor?

Liebster Award

Dann bekam ich plötzlich eine „Nominierung“ für den sogenannten „Liebster Award“ – eine Art online Kettenbrief, bei dem Blogger 11 anderen Blogger nominieren und ihnen 11 Fragen stellen.Die Nominierung kam vom Jochen Kleinhenz, der mit seinem Blog „Mein Fahrrad und ich“ einen tollen Beitrag zur Würzburger (und deutschsprachigen) Fahrradkultur leistet und sich daneben auch noch sehr für die lokale Radverkehrspolitik engagiert. Da die meisten seiner Fragen sowieso schon recht reflektierend sind, kann ich das hier schön kombinieren!

Also, los geht’s

1. Wann hast Du mit dem Bloggen angefangen und warum?

Hier habe ich also vor einem Jahr angefangen. Warum? Weil es mich echt gestört hat, dass es in Würzburg so unklar ist, wie und wo man radfahren kann, dass die vorhandene Infrastruktur meistens viel zu schmal und teilweise gefährlich ist, und weil ich daran was ändern möchte.

Aber so richtig angefangen mit dem Bloggen habe ich schon in 2005. Da habe ich mit einem Erasmusstipendium eine Weile in Paris studiert und habe darüber geblogt. Warum? Um meine Familie und Freunde ein bisschen auf dem Laufenden zu halten (damals hatte noch niemand Facebook und Skype war seeeehhhr langsaaaaam). Das Blog gibt es aber nicht mehr (und wäre eh auf niederländisch gewesen 🙂 )

2. Hat das Bloggen Auswirkungen (auf deinen Medienkonsum, deine Sichtweisen, deinen Umgang mit Information oder Sprache, Reaktionen aus deinem Umfeld etc.)?

Das Bloggen auf radfahrerzone.de hat vor allem dazu geführt, dass ich sehr schnell viele neue tolle Leute kennengelernt habe, die sich auf irgendeine Art und Weise für das Thema Fahrrad interessieren. Vor allem offline und in Würzburg, aber auch online und woanders. Das ist natürlich super, wenn du wie ich gerade irgendwo neu ankommst 🙂

Daneben hat es bei mir (logischerweise) dazu geführt, dass mein deutsches Sprachverständnis sich erheblich verbessert hat. Und an dieser Stelle möchte ich dann auch gleich allen danken, die sich immer wieder Zeit genommen haben, meine Texte zu korrigieren! Mir ist gleichzeitig aufgefallen, dass es sich lohnt, ein englischsprachiges Video auf Deutsch zu übersetzen, auch wenn die meisten Deutsche FahradaktivistInnen die englische Sprache gut beherrschen. Das Video „Kreuzungsdesign aus den Niederlanden„, das ich auf Deutsch übersetzt und eingesprochen habe wurde schon über 6500 mal angeschaut und es ist der am meisten besuchte Artikel im Blog. Ich habe aus ganz Deutschland positive Kommentare bekommen und gehört, dass manche das Video z.B. im Stadtrat gezeigt haben. Das zeigt mir, dass so eine Übersetzung einen deutlichen Mehrwert hat. Vielleicht gibt es im nächsten Jahr noch ein Video 😉

Ausserdem habe ich mich durch das Blog auch an anderen Stellen engagieren können (z.B. bei der AG Rad, im Radverkehrsbeirat und beim VCD) und ich weiß plötzlich viel mehr über Fahrradinfrastruktur als je zuvor. Auch schaue ich jetzt mit ganz anderen Augen auf die niederländische Radinfrastruktur: was für mich immer selbstverständlich war, fühlt sich immer mehr wie Luxus an.

3. Wieviele Fahrräder besitzt Du und welches ist dein bevorzugtes?

Ich besitze 2 Fahrräder. Ein „Hollandrad“ und ein Trekkingrad. Ich bevorzuge, seitdem ich in Würzburg wohne (und es gekauft habe), das Trekkingrad, weil ich damit auch einige Hügel hochfahren kann.

Das gute alte Hollandrad

Trekkingrad

4. Wie unterscheidet sich Radfahren heute im Vergleich zum Radfahren in deiner Kindheit?

Tja, ich glaube, das ist eher eine Frage des Aufenthaltsortes als eine Frage der Zeit. Während meiner Kindheit und eines Teils meines „Erwachsenenlebens“ war das Radfahren richtig entspannt, weil die niederländische Infrastruktur das erlaubt. Ich habe aber schon gemerkt, dass, seitdem ich in Deutschland wohne, ich viel mehr aufpassen muss – und dass das Radfahren sehr viel anstrengender und gefährlicher ist.

5. Welches Fahrraderlebnis bleibt dir, positiv oder negativ, auf immer im Gedächtnis?

Bis jetzt sind es die mehrtägigen Touren die ich gemacht habe – oft an Flüssen entlang, manchmal mit Zelt, manchmal in Pensionen: Ach, das ist einfach schön!

6. Fahrrad: Fahren, Schrauben, Verkehrspolitik, … – welcher Aspekt nimmt für Dich am meisten Raum ein? Würdest Du lieber anders Schwerpunkte setzen?

Im Moment nehmen die Themen Fahrrad-Infrastruktur und Verkehrspolitik am meisten Raum ein. Im Blog habe ich bisher vor allem versucht, die momentane Lage der Würzburger Radverkehrsinfrastruktur zu analysieren und hier und da eine Lösung oder Erneuerung vorzuschlagen – oder den Vergleich mit meiner Heimat zu ziehen. Es ist auch für mich eigentlich ein neues Thema, weil ich mich bis vor einem Jahr noch nie damit beschäftigt habe (oder beschäftigen musste …), aber ich lerne immer dazu.

Seitdem ich hier schreibe, beschäftige ich mich auch immer mehr mit der lokalen Radverkehrspolitik. Ich finde das interessant, aber auch sehr anstrengend, weil hier in Würzburg (und ich bekomme den Eindruck: in ganz Deutschland) die Radverkehrspolitik nur sehr, sehr langsam voran kommt und immer wieder sinnlose Rückschläge hinnehmen muss. Aber ich befürchte, das gehört ein bisschen dazu, wenn man strukturell etwas ändern möchte. Ich überlege schon eine Weile etwas mehr darüber zu schreiben, aber ich muss nur selber ab und zu aufpassen, dass der Blog an sich nicht zu viel Raum einnimmt 😉

Zum Glück habe ich auch das Gefühl, dass ich noch genug Fahrrad fahre. Dazu hat witzigerweise das Stadtradeln auch noch einiges beigetragen (Go Team Radfahrerzone!! 🙂 ). Und inzwischen bin ich an einem Freien Lastenradprojekt in Würzburg beteiligt und freue mich schon auf die erste Testfahrt mit einem E-Lastenrad!

Was ich ziemlich lustig finde, ist, dass viele Leute automatisch davon ausgehen, dass ich mich auch technisch mit Fahrrädern auskenne. Ich habe im letzten Jahr viele Fragen über Reparaturen oder Neukäufe bekommen, aber viel mehr als einen platten Reifen flicken kann ich nicht! Zum Glück kenne ich dank des Blogs mittlerweile genug Leute die sich da schon auskennen 🙂

7. Beteiligst Du dich an »politischen« Aktionen rund ums Radfahren (z.B. Bürgerinitiative, Critical Mass, Stadtradeln, »Mit dem Rad zur Arbeit«, Veranstaltungen zur Mobilitätswende etc.).

Nah klar! Ich möchte ja schließlich was ändern 🙂

Ich habe im letzten Jahr einiges ausprobiert, weil ich neugierig war, was es alles so gibt. Inzwischen bin ich Sprecher der AG Radverkehr (Agenda 21), Vorstandsmitglied im lokalen Kreisverband des VCD, habe mit einem eigenen Team am Stadtradeln teilgenommen, bin regelmäßig bei der Critical Mass mitgefahren, habe verschiedene Sitzungen des Radverkehrsbeirates und Workshops des Radverkehrskonzeptes besucht, habe mit dem Oberbürgermeister über den Radverkehr gesprochen, habe die Fahrrad-Dankstelle mitorganisiert und engagiere mich seit dem Sommer beim freien Lastenradprojekt.

Einige Sachen konnte ich noch nicht machen – es ist ja auch schon recht viel, wenn man dann das Blog dazurechnet. So habe ich z.B. noch immer nicht viel mit dem lokalen ADFC zu tun gehabt, und die Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ ist an mir vorbeigegangen. Aber wer weiß, vielleicht kommt das noch im nächsten Jahr!

8. Ist Radfahren für Dich etwas Besonderes (Feierabendrunde, Tour etc.) oder fester Teil der Alltagsmobilität? Fühlst Du dich im Alltag wohl und sicher auf dem Fahrrad?

Für mich ist Radfahren hauptsächlich ein fester Teil der Alltagsmobilität, aber seit einigen Jahren fahre ich auch immer öfter Tages- oder Mehrtagestouren. An sich fühle ich mich im Alltag wohl und sicher, aber ich finde das Radfahren in Würzburg ziemlich anstrengend, weil ich eine bessere Infrastruktur gewohnt bin. Wäre ich weniger gesund oder um einiges älter, würde ich mich vermutlich viel weniger trauen, hier radzufahren.

9. Fährst Du öfter alleine Rad oder in Gesellschaft (Gruppe, Freunde, Familie etc.)? Warum?

Ich fahre oft alleine Rad, aber dann eben meistens zu alltäglichen Zwecken (Arbeit, Einkaufen, Termine, usw.). Wenn ich mit Freunden oder in einer Gruppe Rad fahre, ist das meistens während einer gemütlichen Radtour.

10. Wenn Du deine Passion »Fahrrad« eintauschen könntest, was würdest Du stattdessen wählen? Würdest Du darüber bloggen?

Hui, gute Frage. Das letzte Jahr stand schon ganz klar im Zeichen vom Fahrrad 🙂 Ansonsten interessieren mich schon noch viele andere Sachen, aber irgendwie habe noch nie so einen Schub bekommen, darüber zu bloggen.

11. Dein Lieblings- (-buch, -film, -platte, -autor, -künstler etc.)?

Ich könnte jetzt natürlich Queen – Bicycle Race hinschreiben, aber das würde nicht stimmen 😉
In letzter Zeit höre ich immer mehr elektronische Musik und mir gefällt DJ „Kölsch“ sehr. Ansonsten schaue ich gerne Serien und kann da vor allem Mr. Robot empfehlen. Aber solche Sachen sind bei mir immer vorübergehend. Nächstes Jahr beantworte ich die Frage bestimmt wieder anders 🙂

2 Gedanken auf \"1 Jahr Radfahrerzone & „Liebster Award“\"

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